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Märkische Allgemeine Zeitung (MAZ) vom 28.05.2001 Heiko Hesse |
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| Der Diener ist der wahre Held |
| "Don Juans" Premiere im ausverkauften Paulikloster |
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... Am Freitag feierte "Don Juan", inszeniert von Sylvia Kuckhoff, Premiere im ausverkauften Paulikloster.
Mag Molières "Don Juan" die Vorlage gewesen sein - mit zahlreichen Elementen haben Kuckhoff und die Schauspieler der Geschichte über den größten Verführer der Theatergeschichte ihren Stempel aufgedrückt. Wie Zombies wanken die Akteure zu Beginn durch die Szenarie. Durch das Winterrefektorium dröhnen Hip- Hop- Klänge von Cypriss Hill, was zwar einige Zuschauer irritiert, aber zu den genialen Passagen des Stückes zählt.
Kuckhoff hatte im Vorfeld versprochen, eine Brücke zwischen der Zeit des Don Juan und dem Hier und Jetzt zu schlagen. Sie hat es gehalten. Wenn zum Beispiel die von Don Juan betrogene Donna Elvira, brillant gespielt von Anne Lebinsky, unvermittelt ihren Monolog in märkisch vulgärer Mundart fortsetzt. Oder wenn Don Luis (Christian-Viktor Keune), der die Ehrverletzung seiner Schwester Elvira rächen will, wie ein Revolverheld aus einem Western mit Hut und langem Trenchcoat die Szene betritt, begleitet von "Spiel mir das Lied vom Tod" und dem Delinquenten Don Juan umarmt und küsst, wie es dem deutschen Kinogänger aus amerikanischen Mafia- Filmen bestens bekannt ist.
Den philosophischen Teil übernimmt Robert Kuchenbuch. Er mimt Sganarell, den Diener Don Juans, in einer überragenden Weise, dass Molière Zweifel gekommen wären... |
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Märkische Allgemeine Zeitung (MAZ) vom 29.05.2001 Arne Dressler |
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| Erst das Spiel, dann das Fest |
| Im Brandenburger Paulikloster verteidigt Molières "Don Juan" sein Recht auf Selbstbestimmung - danach darf das dann richtig gefeiert werden |
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Vom Salzburg der 20er Jahre war Max Reinhardt begeistert. Raus aus der brüllenden City Berlins und zurück in die heimatlich österreichischen Berge. Hier sollte Hugo von Hofmannsthal's Mysterienspiel vom "Jedermann" lebendig werden: Vor den Toren des barocken Doms eine weitläufige Bühne...Hier sollte das Theaterspiel wieder zu einem Fest werden.
Auch in Brandenburg an der Havel ist man in Aufbruchsstimmung: Mitten in der Stadt das verfallene Paulikloster mit backsteinernen Gangfluchten und Kreuzrippengewölben - einst Hauptquartier strenger Dominikanerprediger, heute Ruinenkulisse fürs Theater. Doch dabei soll es nicht bleiben: Während Max Reinhardt das Theaterspiel selbst zum reinigenden Fest für die Massen erhob, wird in Brandenburg ein Fest rund ums Theater gebaut. Eigens dafür hat sich ein "event-theater"-Verein gegründet, der nun zum "Abend der Sinneslust" lädt: Sekt und Zigarren an der Klosterpforte. Geräucherter Schinken, Käse und Rotwein belohnen nach dem Theater. Die MAZ präsentiert`s.
Gemäß dem sinnlichen Motto hat man sich für Molières "Don Juan" entschieden, einen sizilianischen Experten in Sachen Verführung und Libido. Doch damit nicht genug: Offen bekennt er sich zum Machiavellismus in Liebesdingen, frönt stolz der Heuchelei, verhöhnt Gottes Schöpferkraft. Damit dieser Moralschocker die sonnenkönigliche Zensur passieren konnte, hat Molière seinem Don Juan den Diener Sganarell zur Seite gestellt. Rechtgläubig und dabei virtuoser Wortfechter und Situationskomiker - ein Garant für die Farce.
Regisseurin Sylvia Kuckhoff entdeckt nun aber in "Don Juan" den Liberalen, der sein Recht auf Selbstbestimmung konstatiert und durchzusetzen gedenkt. Sie trennt die Molière-Welt in zwei Pole: Hank Teufer als Don Juan hängt sie ein breites Dauergrinsen um. Ein Unschuldslamm, der eigentlich - möglicherweise unverschuldet - gar nicht anders kann.
Auf der anderen Seite ein griesgrämiger Kuli Sganarell - Robert Kuchenbuch wetzt virtuos die systemkritischen Waffen für seinen Herrn. Keine leichte Kost... |
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Brandenburger Wochenblatt 30.05.2001 Bernhardt Rengert |
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| Gottlos, arrogant und verführerisch |
| Molièr'scher "Don Juan" feierte Premiere im Brandenburger Pauli-Kloster |
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Keine Frage, wer am Freitag die Premiere oder am Sonnabend die nächste Aufführung von "Don Juan" im Pauli-Kloster erlebte, wird zumindest erahnen können, warum dem Autor nach dessen Ableben zunächst sogar die Bestattung in geweihter Erde verwehrt wurde.
Jean-Baptiste Poquelin (1622-1673) - Molière, wie er sich seit 1644 nannte - nahm in seinen Stücken, die oft genug vor dem französischen Hof Louis XIV. zur Aufführung kamen, kein Blatt vor den Mund.
Selbst aus seiner 1665, als die Komödie entstand, noch durchaus begründeten Abneigung gegen die Medizin und Ärzte, entstand einer der köstlichsten Dialoge zwischen Don Juan (Hank Teufer) und seinem Diener Sganarell (Robert Kuchenbuch), die dem Publikum immer wieder Grund zum Schmunzeln gaben.
Regisseurin Sylvia Kuckhoff bleibt dabei ganz nah am Ursprungstext, inszeniert die Einzelszenen gewissermaßen als Bilder, die allmählich Licht in das Wesen des Don Juan bringen. Der entpuppt sich nicht nur als raffinierter Verführer und Zyniker, sondern auch als gottloser, arroganter Adeliger, der offen auslebt, was sich seine Zeitgenossen kaum vorzustellen wagten... |
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